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Lob des Winters
Verzeiht, ihr warmen Frühlingstage,
Ihr seyd zwar schön, doch nicht vor mich.
Der Sommer macht mir heiße Plage,
Die Herbstluft ist veränderlich;
Drum stimmt die Liebe mit mir ein:
Der Winter soll mein Frühling seyn.
Der Winter zeigt an seinen Gaben
Die Schäze gütiger Natur,
Er kan mit Most und Äpfeln laben,
Er stärckt den Leib und hilft der Cur,
Er bricht die Raserey der Pest
Und dient zu Amors Jubelfest.
Die Zärtligkeit der süßen Liebe
Erwehlt vor andern diese Zeit;
Der Zunder innerlicher Triebe
Verlacht des Frostes Grausamkeit;
Das Morgenroth bricht später an,
Damit man länger küßen kan.
Der Schönen in den Armen liegen,
Wenn draußen Nord und Regen pfeift,
Macht so ein inniglich Vergnügen,
Dergleichen niemand recht begreift,
Er habe denn mit mir gefühlt,
Wie sanfte sich's im Finstern spielt.
Der Winter bleibt der Kern vom Jahre,
Im Winter bin ich munter dran,
Der Winter ist ein Bild der Baare
Und lehrt mich leben, weil ich kan;
Ihr Spötter redet mir nicht ein;
Der Winter soll mein Frühling seyn.
(gekürzte Fassung)
Johann Christian Günther (1695-1723)
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